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Favelas
Als Favela bezeichnet man die Armenviertel in Brasilien. Die Bewohner haben keinen Grundbesitz, sondern anfangs aus Brettern und Wellblech eine Bleibe gebaut. Mit der Zeit werden aus diesen Blechhütten teils richtige Häuser aus Ziegelsteinen. Die Favelas werden meist unter der Leitung des Drogenkartells organisiert und sind von der brasilianischen Verwaltung teilweise unabhängig. Die größten Favelas gibt es in Rio de Janeiro. Schätzungen zufolge leben 30% der Einwohner von Rio in Favelas. Die Bekanntheit der Favelas von Rio de Janeiro beruht auf ihrer Nähe zu den Luxusgegenden Ipanema und Leblon, sowie der berühmten Copacabana.
Favelas exisitieren schon seit der Sklavenzeit. Mit Zunahme der Industrialisierung wuchsen auf die Favelas. Die brasilianische Regierung versucht sich schon lange mit Aussiedlungsbemühungen und Verbesserungen in der Infrastruktur. In den letzten Jahren wurden diese Bemühungen noch verstärkt. Das Urbanisierungsprogramm "Favela-Bairro" hat sich zum Ziel gesetzt die Favelas von Rio in normale Stadtviertel umzuwandeln. Dabei geht es in erster Linie um die Versorgung mit Strom, fließend Wasser und den Anschluß an die Kanalisation. Weiter werden kommunale Einrichtungen gebaut.
Die größte Problematik innerhalb der Favelas ist der Drogenkrieg. Verschiedene mafiaähnlich organisierte Drogenbanden liefern sich einen Krieg um Drogenumschlagsplätze. Die Polizei traut sich nur selten in die von jugendlichen Soldaten bewachten Straßen. Zwar gibt es Initiativen Jugendliche in ein normales Leben zu bringen, allerdings liegen die Probleme tiefer. Oft kommen die Kinder aus bereits kaputten Familienstrukturen, versuchen sich als Dealer über Wasser zu halten und werden so in den Drogenkrieg gezogen. Bei Problemen ist der erste Ansprechpartner nicht die Polizei, sondern der lokale Drogenboss.
Verhaftungen von Drogenbossen haben in der Regel nicht den gewünschten Erfolg. Über korrupte Gefängniswärter steuern die Bosse ihre Leute. Die Banden sind schwerbewaffnet, meistens besser als die brasilianische Polizei. Somit gewähren die Gangster den Bewohnern einer Favela auch einen gewissen Schutz. Und andrerseits bieten die Bewohner der Favela den Gangstern einen Unterschlupf. Viele sehen die Drogengangs lieber als die Polizei, da die Drogenbosse mehr für die Favela machen als der Staat. Dazu kommt, daß korrupte Polizisten, die Favelabosse vor Polzeieinsätzen warnen.
Durch die größere Brutalität neuer Mafiabosse haben sich mittlerweile Paramilitärs in den Favelas gebildet. Diese Paramilitärs sind oft ehemalige Militärpolizisten, die somit beste Verbindungen zur Polizei haben. Die äußerst rücksichtslosen Paramilitärs haben in bereits mehr als 100 Favelas die Drogenhändler vertrieben. Das Geld für Waffen stammt von den Bewohnern der Favelas. Doch diese geben das Geld nicht freiwillig, Die Milizen von Rio de Janeiro erpressen erhebliche Schutzgelder von den Bewohnern. Auch Morde und Vergewaltigungen gehören dazu. Im Grunde eine neue Mafia, die ebenfalls vom Waffen- und Drogenhandel lebt. Dadurch kommt die eigentliche Drogenmafia unter Druck und verübt andere Verbrechen, Autodiebstähle, Überfälle und Bankraub sind an der Tagesordnung. Doch die hochbewaffneten Drogenkartelle schlagen auch zurück. Mittlerweile sogar verstärkt durch Ex-Söldner aus Angola greifen sie Polizei, Milizen und die rivalisierenden Drogengangs zurück.
Die Milizen gehen auch in die Politik. Schon mehrere Milizen haben politische Ämter gewonnen und werden in ihrem Bezirk verantwortlich für öffentliche Einrichtungen und auch die Polizei. Folglich eine sehr gefährliche Entwicklung.
Favela bei Manaus